Pflegehinweise Sarracenia flava var. flava

Sarracenia flava, eine Schlauchpflanze. Eventuell ist es dir schon aufgefallen aber ich schreibe hauptsächlich über Sonnentaue. Hier habe ich mir über die Jahre eine gewisse Expertise erarbeitet. Jetzt begebe ich mich in die Welt der Schlauchpflanzen.

Angefangen habe ich mit ein paar Sarracenia purpurea ssp. purpurea und ssp. venosa. Über einen YouTube-Kontakt bin ich jetzt zu mehreren Sarracenia flava und S. alata und gekommen und möchte mir auch hier Wissen aneignen, welches ich mit dir selbstverständlich teilen möchte.

Im Baumarkt, wo die meisten Anfänger ihre ersten Pflanzen kaufen, habe ich noch keine Schlauchpflanzen entdeckt. Häufig gibt es Nepenthes-Hybride, Venusfliegenfallen und die gängigen Drosera. Daher gehe ich davon aus, dass man die gelbe Schlauchpflanze (flavus = lateinisch für Gelb/Gold) nicht einfach so erwerben kann.

Carl von Linné (Linnaeus) beschrieb 1753 diese fleischfressende Pflanze. Und 1874 erzeugte Dr. Moore eine Sarracenia x. Moorei. Eine Kreuzung zwischen Sarracenia flava und Sarracenia leucophylla.

Leider, wie so viele Karnivore, ist diese Art vom Aussterben bedroht. Bislang sind große Populationen unwiederbringlich verschwunden, da aus ihren Verbreitungsgebieten landwirtschaftliche Nutzflächen oder Siedlungsgebiete geworden sind. Häufig geraten auch Giftstoffe, die ins Wasser gelangten, in die Moorflächen und kontaminieren diese.

Auch hier gilt es diese Pflanze in unseren Moorbeeten und Moorkübeln zu kultivieren, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.

Natürlicher Standort

Als bereits ausgestorben galt die gelbe Schlauchpflanze im äußersten Südosten Virginas, bis man vor ein paar Jahren wieder kleine Populationen fand! Auch findet man sie in Sümpfen in Küstennähe der südöstlichen USA. Sowohl in North als auch in South Carolina, Georgia und im Westen Floridas findet man größere Populationen.

Eines haben diese Standorte gemeinsam: Sie sind extrem sandig.

Verbreitungsgebiet Sarracenia flava
Verbreitungsgebiet Sarracenia flava

Pflanzenbeschreibung

Sarracenia flava schaut aus wie eine typische Schlauchpflanze. Lang, dünn und Deckel. Dabei ist die einfach gelbe Schlauchpflanze die größte unter den sieben Varietäten. Sie werden unter idealen Bedingungen bis zu 100 cm hoch und dabei kann die Öffnung einen Durchmesser von bis zu 12 cm erreichen.

Sarracenia Flava, Foto: Jean-Pol Grandmont

Die normale Größe der Schläuche ist eher 60 bis 80 cm. Diese werden nach der Blüte im Frühjahr gebildet und sterben Ende des Herbsts (Oktober) ab.

Dann entstehen sogenannte 20 -30 cm lange Phyllodien. Das klingt zwar kompliziert ist aber einfach erklärt. Normalerweise besteht ein Blatt aus dem Stiel und der Blattspreite (dem großen Schlauch). Wenn der Stiel immer größer und der Schlauch kaum noch bis gar nicht mehr ausgebildet wird, spricht man von Phyllodien.

Was noch bemerkenswert an Sarracenia flava ist: ihre gelbe Blüte. Diese kann bis zu 12 cm (!) im Durchmesser erreichen. Das ist auch der Rekord der Gattung.

Weiter oben schrieb ich von Varietäten. Folgende sind beschrieben:

  • Sarracenia flava var. atropurpurea bzw. var. burgundy. Die Schläuche werden von außen und innen tiefrot.
  • Sarracenia flava var. cuprea. Die sonst grünen Schläuche schließen mit einem kupferroten Färbung des äußeren Deckels.
  • Sarracenia flava var. maxima. Rein grün und wird nicht maximal groß, obwohl es der Name suggeriert.
  • Sarracenia flava var. ornata. Die etwas kleineren (30 cm) grünen Schläuche haben wunderbar große und starke rote Adern.
  • Sarracenia flava var rubricorpora. Das Schlauchinnere ist grün, während außen alles ein dunkles Rot annimmt.
  • Sarracenia flava var rugelii. Wird sehr groß. Die grünen Schläuche und der grüne Deckel besitzen am Übergang einen roten Kehlfleck.

Kultur

Die Kultur im Sommer ist wirklich einfach. Heiße Tage und direkte Sonne werden ohne Probleme vertragen. Wichtig ist dabei die Pflanze im Anstau zu halten. Auf keinen Fall darf das Substrat austrocknen.

Als Substrat eignet sich hervorragend reiner Weißtorf mit Sand vermischt. Ein Verhältnis von 4:1 ist perfekt. Wobei auch noch ein bisschen Perlit hinzugefügt werden kann.

Die Überwinterung hängt davon ab, wie die Pflanze gehalten wird. Wird die Pflanze in einem Topf gehalten, dann sollte sie bei 2 bis 10 Grad Celsius überwintern. Am besten im Gewächshaus, ansonsten hell und das Substrat nur feucht. Wenn es keine Fröste mehr gibt, kann Sarracenia Flava wieder nach draußen. Es muss nur sichergestellt werden, dass der Topf nicht durchfriert.

Sollte die Pflanze im Moorbeet oder -kübel kultiviert werden, dann kann sie auch bei Frost kultiviert werden. Wenn der Frost aber zu stark wird (>-5 Grad, dann sollte man über einen Schutz nachdenken. Zum Beispiel indem man Tannenzweige über das Beet legt. Aber sobald es wärmer wird, müssen sie entfernt werden, da es aufgrund mangelnder Luftzirkulation zu Schimmelbildung kommen kann.

Schädlinge und Krankheiten

Es kann vorkommen, dass sich Blattläuse an den meist jungen Blattachsen vergehen. Die großen Schädlinge kann man absammeln und sofort verfüttern aber wenn es zu viele werden, hilft nur noch eine „chemische“ Behandlung mit Kaliseife*. Dieses hilft auch bei (eher unwahrscheinlichem) Spinnmilbenbefall.

Wurzelfäule kann vorkommen und zwar, wenn das Substrat von Moos (nicht Sphagnum) überwuchert wird. Dieses verschließt die Oberfläche und es dringt kein Sauerstoff mehr zu den Wurzeln. Hier hilft nur regelmäßiges Umtopfen.

Trauermückenlarven könnten die Wurzeln beschädigen und zum Absterben der Pflanze führen. Günstige Gelbtafeln* helfen hier ungemein.

Gefangene Trauermücken auf Gelbtafel*

Die ausgewachsenen Mücken werden gefangen und können sich nicht vermehren. Schneller geht es mit Nematoden*. Diese legen Eier in die Trauermückenlarven und fressen diese von innen auf. Wenn es keine Larven mehr gibt, sterben die Nematoden. Eine Vermehrung der Trauermücke findet somit nicht statt. Am besten nutzt man beide Mittel.

Vermehrung

Die Vermehrung von Sarracenia flava ist auf zwei Wege möglich. Zum einen über die Teilung des Rhizoms, wenn es neue Knotenpunkte bildet.

Zum anderen ist die Vermehrung über Samen möglich. Frische Samen können sofort ausgesät werden. Diese keimen dann innerhalb von 4 Wochen bei ausreichend Licht und Temperaturen >20 Grad.

Sind die Samen älter, dann sollten sie zunächst 24 Stunden in ein Wasserbad getaucht werden. Danach sät man sie auf nassem Torf aus und stellt das ganze für 8 Wochen in den Kühlschrank. Ich nutze hierfür 300g Frischkäseverpackungen von den Eigenmarken der Supermärkte. Die haben eine ordentliche Größe.

Die Samen dann herausholen und unter Kunstlicht und Temperaturen >20 Grad kultivieren. Nach 6 – 8 Wochen keimen die ersten Samen.

Die Sämlinge sind noch sehr empfindlich und sollten in den ersten beiden Jahren bei 5 – 10 Grad Celsius überwintern. Im Sommer werden sie wie die ausgewachsenen Pflanzen gehalten.

Im dritten Winter können sie auch tieferen Temperaturen ausgesetzt werden.


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