Der Herbst naht! Karnivoren einfach überwintern

Die letzten warmen Tage in Nürnberg stehen an. Danach sinkt das Thermometer auf nur noch maximale 13/14 Grad am Tag. Also wird es Zeit sich um die Überwinterung unserer Pflanzen zu kümmern.

Wenn ich auf jede einzelne Pflanze einginge, würde dieser Beitrag mehr Zeichen haben als meine Bachelorarbeit über „alternative Finanzierungsformen mittelständischer Unternehmen“ – Ja, klingt ziemlich langweilig für Außenstehende.

Daher werde ich versuchen allgemein zu bleiben aber dennoch wichtige Details nicht auszublenden.

Während der warmen Tage standen Drosera madagascariensis, Drosera capensis, Drosera intermedia, Dionaea muscipula & Sarracenia purpurea draußen, in der vollen Sonne. Sie genossen die morgendliche Frische, viele Insekten gingen in die Fallen.

Doch jetzt wird der Regen immer mehr, die Temperaturen werden bald tagsüber nicht mehr zweistellig sein. Die Sonne scheint kaum noch hinter den dichten Wolken hervor. Die eben genannten Karnivoren haben unterschiedliche Anforderungen und stehen als Synonym für ihre unterschiedlichen Regionen/Zonen.

Ich werde jetzt versuchen die unterschiedlichsten Karnivoren in allgemeine Zonen einzuteilen. Damit kann man all seine Lieblinge sortieren und ihnen die besten Bedingungen bieten. Im Frühjahr werden sie sich bei euch bedanken!

Zone 1

Drosera madagascariensis ist ein tropischer Sonnentau, zu finden /unter anderem) in Guinea, Nigeria, Kamerun, Kongo und Angola. Wenn wir uns einmal die Klimatabelle für den Kongo anschauen, dann sehen wir, dass die durchschnittliche Temperatur nicht unter 15 Grad fällt. Ebenso verhält sich die Maximaltemperatur. Der Unterschiede sind konstant. Die Sonnenstunden sind gleichmäßig. Es gibt eine Regen- und eine Trockenzeit. Während der Regenzeit ist die Luftfeuchtigkeit starkt erhöht. In der Trockenzeit ist sie wesentlich geringer aber im Moor/Sumpf dennoch vorhanden, jedoch leicht niedriger als in der Regenzeit.

Klimadiagramm Kinshasa (Kongo)

Man kann also davon ausgehen, dass Pflanzen, die aus der Zone 1 kommen, keine wirkliche Überwinterung brauchen. Sie müssen innerhalb der Wohnung kultiviert werden, da sie einen deutschen Winter unter keinen Umständen überleben würden.

Innerhalb der Wohnung sollten sie am Südfenster, am besten unter Kunstlicht, kultiviert werden. Man muss die Luftfeuchtigkeit relativ hoch halten, bei ca. 70% und auf eine gute Lüftung achten, damit sich kein Schimmel auf dem Substrat bildet.

Das Substrat sollte nicht ganz so nass sein wie im Sommer aber schon ordentlich feucht. Und da es so feucht ist, muss es unbedingt gut gelüftet werden!

Übrigens ist Zugluft zu vermeiden. Wenn von draußen plötzlich kalte Luft über die Pflanzen herfällt, könnte es ihnen den Gar ausmachen.

Wie bewerkstellige ich die Überwinterung der Zone 1?

Um die Luftfeuchtigkeit hochzuhalten, eignet sich ein offenes Terrarium, das gleichzeitig die trockene Heizungsluft zum großen Teil fernhält. Bei Amazon habe ich schon einige sehr günstige gefunden: Terrarien*

Beim Kunstlicht ist es abhängig, ob man nur eine einzelne Pflanze besitzt oder das ganz 60 cm Terrarium vollpackt. Einzelne Lampen* eignen sich für erst genanntes. Bei größeren Pflanzensammlungen sollte man schon auf Panele* zurückgreifen.

Ich nutze diese selber (6 Stück) seit 2017 und hatte noch keinen Ausfall, obwohl sie relativ günstig waren. Die Leistungsaufnahme beträgt nicht wie angegeben 45 Watt sondern nur 26 Watt aber die Pflanzen sind damit immer sehr gut durch den Winter gekommen. Dabei nutzte ich die Lampen immer gute 6 Monate (181 Tage) zu je 10h am Tag, also satte 1.810 Stunden bei 26 Watt = 47,06 kW.

Wenn ich das mit einem jetzigen Strompreis von 0,30 EUR multipliziere, komme ich auf Mehrkosten von 14,11 EUR. Das sind 0,078 EUR am Tag. Kann man also ganz gut verkraft.

Damit die Luft in Bewegung bleibt, habe ich mir einen 120 mm Lüfter* bei Amazon besorgt, die über ein kleines Netzteil* (So wie diese vom Handy) an den Strom angeschlossen sind. Die Drehgeschwindigkeit der Lüfter kann man anpassen und so kann man Schimmelbefall vorbeugen.

Zone 2

Drosera capensis, ein Sonnentau aus Südafrika. Am natürlichen Standort gibt es keinen Frost, es ist immer angenehm warm. In den Wintermonaten sinken die Temperaturen zwar leicht aber sind immer noch sehr weit von unseren Temperaturen in Mitteleuropa entfernt.

Schauen wir uns einmal das Klimadiagramm von Kapstadt an. Drosera capensis, Drosera aliciae, Drosera venusta und Drosera nidiformis leben nur einige Kilometer östlich davon.

Klimadiagramm Kapstadt (Südafrika)

Der Sommer ist hier in unseren Wintermonaten und von den Temperaturen etwas heißer als in Deutschland beispielsweise. In den Wintermonaten sinkt die Temperatur merklich aber ist immer noch im positiven Bereich. Auch die Niederschläge finden meistens in den Wintermonaten statt. Die Differenz zwischen Maximal- und Minimaltemperatur ist hier schon größer als in Zone 1 und auch die Sonnenscheinintensität nimmt in den Wintermonaten ab.

Man kann also davon ausgehen, dass Pflanzen, die hier ihren natürlichen Standort haben, in den Wintermonaten eine kleine Erholungspause einlegen und nicht mehr ganz so schnell wachsen. Aber einen generellen Wachstumsstopp gibt es nicht.

Drosera capensis
Drosera capensis

Daher sollten diese fleischfressenden Pflanzen ebenso bei uns durchkultiviert werden. Sie können und sollten aber wesentlich länger draußen kultiviert werden, damit sich ihre Stoffwechselprozesse darauf einstellen können, dass es jetzt kälter wird und sie in deinen Ruhemodus gehen. Das härtet die Pflanze zusätzlich ab und erschwert es Parasiten und Schädlingen die Pflanze zu befallen.

Wenn es aber nur noch einstellig wird und nachts Fröste drohen, sollten auch die Pflanzen der Zone 2 ins Haus geholt werden.

Man kann sie in einem Raum kultivieren, der nicht immer voll geheizt wird. Temperaturen von 10 -15 Grad sind ideal. Auch sollte der Raum hell sein und auf eine gute Lüftung muss geachtet werden.

Kunstlicht sollte ebenfalls installiert werden, wobei es keine 10 Stunden am Tag sein müssen. 5 Stunden täglich bei 26 Watt sind ausreichend. Auch sind die Kosten nicht all zu hoch, da die Pflanzen wesentlich später ins Haus geholt und auch früher wieder nach draußen gestellt werden.

Das benötigte Equipment habe ich in der Zone 1 beschrieben. Also einfach kurz hochscrollen.

Das Substrat sollte generell feucht gehalten werden aber nicht nass wie im Sommer. Das beugt Schimmelbefall zusätzlich vor. Der Wasserbedarf ist bei kühleren Temperaturen eh nicht sonderlich hoch.

Es gibt aber auch Ausnahmen, zum Beispiel das mexikanische Fettkraut (Pinguicula esseriana). Das Substrat muss im Winter fast trocken und nicht feucht sein. Hieran erkennst du gut, dass man sich die Pflanzenbeschreibung zur Winterruhe für jede seiner Pflanzen individuell durchlesen sollte.

Zone 3

Dionaea muscipula ist dagegen nur in Georgia (USA) vorzufinden. Hier sind die Sommer warm, teilweise heiß aber im Winter gibt es kaum Fröste. Die Sonnenintensität ist hingegen überdurchschnittlich hoch.

Dionaea muscipula Venusfliegenfalle
Dionaea muscipula (Venusfliegenfalle)

Das Klima in Georgia (USA) ist relativ vielseitig. An der Küste herrscht Ozeanklima, d.h. die Schwankungen sind nicht sehr stark. Schaut man ins Landesinnere nach Atlanta, dann gibt es eher kontinentales Klima, welches wesentlich extremer ist. Da die Venusfliegenfalle an der Küste beheimatet ist, schauen wir uns das Klima dort an, genauer in Savannah.

Klimatabelle Savannah (Georgia)

Während die Sommer heiß sind, sind die Winter mild. Der Niederschlag ist nicht sonderlich hoch. Wenn man alle Monate zusammenrechnet, kommt man auf 590 mm. Zum Vergleich:

  • Berlin: 570 mm,
  • Hamburg 738 mm,
  • München 930 mm,
  • Köln 774 mm,
  • Madrid (sehr heiß und trocken): 450 mm,
  • Lissabon (Küste): 691 mm,
  • New York: 1.144 mm

Besonders auffällig sind auch die Sonnenstunden. Während sie im Sommer bis zu 13 Stunden betragen, halbieren sie sich im Winter auf 6 bis 7 Stunden täglich.

Berlin, im Vergleich, hat im Sommer bis zu 10 Sonnenstunden am Tag und im Winter maximal 3 Stunden täglich. Ganz klar zu erkennen, dass Pflanzen der Küste Georgias im Winter lichthungrig sind.

Jetzt muss man versuchen dieses Klima auch bei uns zu schaffen. Dionaea muscipula will den Winter über am liebsten in einem kühlen (5 -10 Grad) aber sehr hellen Raum (notfalls mit Kunstlicht* für einige Stunden) sehen.

Das Substrat sollte nur feucht und nicht nass sein. Wichtig ist wieder eine ständige Luftumsetzung mittels Lüfter*. Die Luftfeuchtigkeit sollte dabei 60/70% betragen.

Dionaea muscipula kann auch leichte Fröste überstehen. Dann sterben die Blätter an der Oberfläche ab und treiben bei höheren Temperaturen aus dem Rhizom wieder aus.

Daher kann diese Pflanze auch ziemlich lange draußen kultiviert werden. Zudem stärken solche kleinen Fröste die Pflanze und härten sie letztendlich ab.

Zone 4

Drosera intermedia ist ein heimischer Sonnentau aus Nordeuropa und -amerika. Im Winter sind die Temperaturen im Minusbereich, teilweise zweistellig. Im Sommer können die Temperaturen dann aber auch an die 40 Grad gelangen. Eine große Varianz, die ein wenig Fingerspitzengefühl erfordert.

In Deutschland findet man Drosera intermedia, rotundifolia und anglica zum Beispiel in Mooren entlang der Rhön oder in Norddeutschland. Daher nehmen wir einmal die Klimatabelle von Bremen und beschreiben diese.

Sarracenia purpurea ssp. purpurea
Sarracenia purpurea ssp. purpurea

Besonderes Augenmerk verdient der Winter. Nachts gibt es im Mittel zwar nur leichten Frost. Da ich aus der Region Bremen komme, muss ich jedoch anmerken, dass es auch zu tagelangen tieferen Minustemperaturen kommen kann. Die Varianz wird in der Klimatabelle leider nicht angezeigt.

Die Niederschlagsmenge ist relativ konstant. Auch gibt es schneereiche Tage. Bedeutet, dass die fleischfressenden Pflanzen unter einer Schneedecke ausharren müssen.

Die Sonnenstunden sind im Sommer relativ hoch aber kein Vergleich zur vorher genannten Zone. Im Winter sind die Tage eher dunkel und wolkenreich.

Klimatabelle Bremen

Karnivoren aus dieser Zone (auch Sarracenia purpurea gehört dazu) können das ganze Jahr über draußen kultiviert werden. Es muss nur sichergestellt werden, dass die Töpfe nicht durchfrieren und dass die Fröste nicht all zu stark sind (>-10 Grad). Ein Windschutz hilft hier schon enorm.

Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert. Mir können Fehler unterlaufen. Ich habe diese Informationen nach bestenm Wissen und Gewissen zusammengetragen. Wenn du also Fehler entdeckst, sag mir bitte bescheid.


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