Pflegehinweise Drosera rotundifolia

Drosera rotundifolia, zu deutsch rundblättriger Sonnentau, ist der wohl bekannteste deutsche Sonnentaus. 1992 wurde er nämlich zur Pflanze des Jahres gewählt.

Er ist komplett winterhart und hervorragend an unser Klima angepasst. Das macht seine Kultur und Pflege auch für Anfänger praktikabel!

Und wenn man diese Art daheim kultiviert, schützt man sie vor dem Aussterben, denn sie ist in Deutschland geschützt, da ihr Lebensraum immer kleiner wird.

Sie wird sogar auf der Liste der besonders stark gefährdeten Arten geführt. Daher sollte diese Art am besten in jedem Moorkübel gepflanzt werden.

Eine bewegte Geschichte

Drosera rotundifolia hat eine gut dokumentierte Vergangenheit hinter sich.

Der rundblättrige Sonnentau hatte viele Namen, einer davon war „Widdertod“. Schafe wurde auf die Moorflächen geschickt, um zu grasen. Dabei fraßen sie auch die eine oder andere D. rotundifolia. Wenn die Menge zu groß war, verstarben die Schafe kurz darauf.

Andere Name waren „Himmelstau“, „Herrgottslöffel“ oder „Himmelslöffelkraut“. Wenn man das im Kontext in den damaligen einordnet, hatte die Religion einen hohen Stellenwert und die Namen sind daher nicht unüblich. Litt jemand an Tuberkolose, erhielt er einen Saft, basierend auf Drosera rotundifolia. Wenn es aber zu stark konzentriert war, verstarb der Kranke.

Im 12. Jahrhundert hatten Mönchen nämlich begonnen diese Pflanze gegen Reizhusten einzusetzen. Im späteren Verlauf wurde sie dann gegen alle möglichen Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Die erste Abbildung, ein Kupferstich von Matthias Merian, wird auf 1626 datiert. Aber erst 1753 beschrieb Carl von Linné Drosera rotundifolia in einem Buch.

1875 beschrieb der Vater der Evolutionstheorie Charles Darwin in seinem Buch „Carnivorous Plants“ den rundblättrigen Sonnentau. Hier ging er besonders auf die Tentakel und ihre Funktion der Stickstoffaufnahme ein. Damit bewies er, dass Karnivorie in der Natur stattfand. Zu der Zeit herrsche nämlich die Ansicht, dass so etwas Abscheuliches gegen die „gottgewollte Natur“ war.

Das war nun genug Geschichtsunterricht. Schauen wir uns einmal den natürlichen Standort an.

Natürlicher Standort

Wenn du auf einen Globus schaust, dann verdecke einmal die untere Hälfte und du wirst die Standorte von Drosera rotundifolia sehen. Auf der gesamten Nordhalbkugel, in den Hochmooren, wirst du diese Pflanze finden. Dort steht sie fast immer vollsonnig.

Trockene Gebiete wird Nordafrika, die arabische Region und natürlich Wüsten werden gemieden. Hier scheint es zu trocken und heiß zu sein.

Besonders auffällig ist, dass man den rundblättrigen Sonnentau fast ausschließlich nur in Sphagnum antrifft. Hier scheint er sich am wohlsten zu fühlen. Zudem schützt es das Hibernakel im Winter vor Frost und Wind.

Auch erwähnenswert ist, dass das Substrat nicht ausschließlich sauer (3) ist. Es werden sogar Werte bis 7 (basisch) gemessen. Hier entwickelt sich die fleischfressende Pflanze aber nicht besonders gut.

Auch scheinen ihm Höhen von über 1.800 Metern (Mt. Limbawon, Philippinen) nichts auszumachen. Im Allgäu findet man ihn auf einer Höhe von bis zu 1.600 Metern.

Dann findet man aber eine an die Umgebung angepasste Drosera rotundifolia vor. Ähnlich wie Drosera binata in der alpinen Region Tasmaniens, wächst in höheren Lagen eine kleinere Form der fleischfressenden Pflanze.

Pflanzenbeschreibung

Besonders auffällig sind die Blätter. Die Stiele sind sehr schmal und am Ende des Blattes befindet sich ein komplett rundes Ende. Das hat Ähnlichkeiten mit einem Kochlöffel.

Drosera rotundifolia Blatt mit Tentakel, Foto: Björn S.

Generell ist D. rotundifolia ein rosettenartig wachsende Pflanze. Sie erreicht unter idealen Bedingungen Größen von bis zu 10 cm! Dabei ist nicht das runde Blatt dafür verantwortlich, sondern der Stiel, der immer länger wird.

5 bis 6 Blätter sind immer aktiv und warten auf Insekten. Bevorzugt Fliegen und Mücken gehen dabei in die Falle. Fliegen werden wahrscheinlich vom Duft der Klebetropfen angezogen, während Mücken eher einen Platz zum Rasten suchen und dabei in die Falle gehen.

Nachdem ein Opfer gefangen wurde, bewegen sich zunächst die umliegenden Tentakel zur Beute. Danach bewegt sich immer mehr der bis zu 200 Tentakel zur Beute bis es von allen Seiten umschlossen ist.

Die Düsen setzen Enzyme frei, die die Proteine im Opfer aufteilen und verflüssigen. Dieser Saft kann dann von der Pflanze aufgenommen werden. Vor allem die Stickstoffe machen die Insekten attraktiv, da die Pflanze diese zum Zellenbau benötigt und im Moorboden gibt es so gut wie keine Stickstoffverbindungen. Das Wurzelwerk ist leider auch nicht sehr ausgeprägt. Es misst maximal 6 cm und dient eher dem Befestigen im Boden, um nicht weggespült zu werden, als der Nährstoffaufnahme.

Am Ende des Prozesses bleibt nur der leere Chitinpanzer übrig und wird von Wind und Wetter weggetragen.

Wenn es kälter wird (September/Oktober), die Insekten weniger werden, zieht sich Drosera rotundifolia langsam zurück und bildet eine Winterknospe (Hibernakel). Geschützt vom umliegenden Sphagnum übersteht es so den Winter und treibt im Frühjahr (April/Mai) wieder aus.

Derrundblättrige Sonnentau blüht von Juni bis in den späten August (und auch nur bei viel Sonnenschein und dann nur für ein paar Stunden) und kann sich sogar selbst bestäuben. Häufig gibt es natürliche (sterile) Hybride mit Drosera intermedia (Drosera x beleziana) oder mit Drosera anglica (Drosera x obovata), da sich diese ihr natürliches Habitat mit Drosera rotundifolia teilen.

Blüte Drosera rotundifolia, Foto: B. Gliwa

Kultur & Pflege

Im Allgemeinen ähnelt D. rotundifolia seinen Artverwandten Drosera intermedia und Drosera anglica was Pflege und Standort angeht. Aber als reine Zimmerpflanze wird sie spätestens im nächsten Winter eingehen.

Die Kultur in einem Pflanzentopf (draußen) ist möglich aber die Pflanze bleibt klein. Sie entwickelt ihre volle Größe und Schönheit erst in einem Moorbeet oder -kübel.

Wie du dieses für kleinen Geld anlegst habe ich in diesem Beitrag festgehalten: Ich lege einen Moorkübel an

Als Substrat reicht normaler reiner Torf vollkommen aus. Wichtig ist, dass an der Oberfläche Sphagnum wächst, damit die Pflanze gut gedeiht.

Drosera rotundifolia sollte vollsonnig stehen und kann auch gerne einmal absaufen. Sie wächst ja schließlich im Moor.

Über die notwendige Winterruhe habe ich bereits ausführlich geschrieben. Von September bis April sollte die Pflanze kühl „gelagert“ werden. Die Sonnenintensität muss nicht mehr so hoch sein.

Schädlinge und Krankheiten

Es kann vorkommen, dass sich Blattläuse an den meist jungen Blattachsen vergehen. Die großen Schädlinge kann man absammeln und sofort verfüttern aber wenn es zu viele werden, hilft nur noch eine „chemische“ Behandlung mit Kaliseife*. Dieses hilft auch bei (eher unwahrscheinlichem) Spinnmilbenbefall.

Wurzelfäule kann vorkommen und zwar, wenn das Substrat von Moos (nicht Sphagnum) überwuchert wird. Dieses verschließt die Oberfläche und es dringt kein Sauerstoff mehr zu den Wurzeln. Hier hilft nur regelmäßiges Umtopfen.

Trauermückenlarven könnten die Wurzeln beschädigen und zum Absterben der Pflanze führen. Günstige Gelbtafeln* helfen hier ungemein.

Gefangene Trauermücken auf Gelbtafel*

Die ausgewachsenen Mücken werden gefangen und können sich nicht vermehren. Schneller geht es mit Nematoden*. Diese legen Eier in die Trauermückenlarven und fressen diese von innen auf. Wenn es keine Larven mehr gibt, sterben die Nematoden. Eine Vermehrung der Trauermücke findet somit nicht statt. Am besten nutzt man beide Mittel.

Vermehrung

Die Vermehrung erfolgt am besten über Samen. Ältere Samen sollten stratifiziert werden. Frische Samen können sofort ausgesät werden. Dann sollten die Sämlinge jedoch nicht Wind und Wetter ausgesetzt werden, denn ihre Frosttoleranz ist nicht gegeben. Sie sollten bei 5 Grad über den Winter gebracht werden.

Ich empfehle eher die Variante der Stratifikation. Die Samen einfach für 2/3 Monate in den Kühlschrank legen, am besten auf bereits feuchtem Torf. Danach einfach aus dem Kühlschrank nehmen und zunächst etwas kühl und hell stellen. Nach gut 10/14 Tagen kann man sie noch wärmer stellen und die Lichtintensität erhöhen.

Würde man sie nämlich sofort bei 20/21 Grad Zimmertemperatur kultivieren, wäre es ein großer Schock für sie.


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