Sarracenia-Samen aussäen leicht gemacht

Bis vor Kurzem hatte ich keinen Fokus auf Sarracenien. Dann packte mich das Interesse. Ich wollte zumindest ein paar Arten besitzen. Dann entwickelte sich aus dem Interesse ein Fieber. Ich wollte sie alle besitzen! Zumindest die Grundformen von Sarracenia alata, Sarracenia rubra und Co.

Hybride sind ebenfalls interessant, versteht mich nicht falsch. Aber die Grundformen finde ich im Moment einfach etwas besser.

Manche Arten – wie Sarracenia oreophila – sind kurz vor dem Aussterben. Und man unterstützt dieser Art, indem man die reine Form kultiviert und keine Hybride.

Was habe ich nun gemacht: Zum einen habe ich mir unterschiedliche Sarracenia-Rhizome gekauft. Diese pflanzt man einfach in Substrat (nicht zu tief, da es sonst schimmelt), hält es feucht/nass und setzt es Sonnenschein (im Winter Kunstlicht) aus. Schon bald sprießen die ersten Schläuche und die fleischfressende Pflanze ist bereit für Beute.

Sarracenia alata Rhizom mit 21 Tage alten Schläuchen

Der Nachteil ist klar. Rhizome sind teuer und lassen sich nur langsam über Teilung vermehren. Dafür erhält man aber auch einen Klon seiner Pflanze.

Die andere Möglichkeit ist es Sarracenien über Samen zu vermehren. Der Vorteil ist natürlich klar, man erhält unzählige Pflanzen, die jedoch sehr lange brauchen (teilweise 3 – 5 Jahre), um eine stattliche Größe zu erreichen. Auch kann man die Keimlinge am Anfang nicht genau bestimmen und somit weiß man nicht, ob man überhaupt die bestellten Pflanzesamen erhalten hat.

Um den letzten Punkt ausschließen zu können, sollte man nur auf Fachhändler mit Expertise zurückgreifen, um nicht nach Jahren eine Enttäuschung zu erleben.

Aber wie kann man die Samen nun aussäen, sobald man sie erhalten hat?

Frische Samen erhältst du in der Regel im Herbst/Winter. Je älter die Samen, desto schlechter die Keimquote. Mir ist keine Pflanze bekannt, bei der es sich gegenteilig verhält.

Keimlinge Sarracenia purpurea
Keimlinge Sarracenia purpurea

Normalerweise erhält man ältere Samen und diese benötigen eine Stratifikation. Und dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die eines gemeinsam haben: die Samen müssten stehts feucht und kalt gehalten werden.

Mit Hilfe eines nassen Küchentuchs (Zewa etc.) geht es sehr platzsparend und günstig. Das Tuch wird nass gemacht, die Samen werden darauf verteilt und darin eingewickelt. Dann wird das Tuch so verpackt, dass es wasserdicht lagern kann. Zum Beispiel in einer Tupperbox oder einem Zip-Beutel. Hauptsache es trocknet nicht aus. Jetzt muss alles sechs bis acht Wochen in den Kühschrank.

Danach müssen die Samen auf nassem Substrat ausgesät und mit Kunstlicht oder ab Frühjahr mit Tageslicht bestrahlt werden. Ich nutze hierfür eine 45 Watt (26 Watt effektiv) Rot/Blau-Beleuchtung* á 8 Stunden täglich. Nach 14 Tagen sollten die ersten Samen keimen. Die Stratifikation simuliert den Winter und führt dazu, dass die Samen zeitgleich keimen. Ohne Stratifikation keimen die Samen selten und unregelmäßig.

Künstliche Beleuchtung Sarracenia Rhizom
Künstliche Beleuchtung Sarracenia Samen & Rhizom*

Mein Favorit ist das Stratifizieren auf nassem Torf. Die Vorgehensweise ist wie gerade beschrieben. Nur befinden sich die Samen bereits auf dem Torf in zum Beispiel einer Frischkäseverpackung und müssen nach Ende der Stratifikation nicht mehr darauf verteilt werden. Nachteil: Es braucht mehr Platz im Kühlschrank, verhindert aber, dass man die Samen erneut anfassen muss. Das minimiert das Risiko eines Pilzbefalls.

Stratifikation auf Torf
Stratifikation auf Torf

Die dritte Möglichkeit, die aber zeitlich nur begrenzt ist, ist die Stratifikation außerhalb. Die Samen werden wie unter Punkt 2 ausgesät und draußen, geschützt vor direkter Sonne, drapiert und nach 6 – 8 Wochen unter Kunstlicht und Zimmertemperatur kultiviert. Oder man lässt die Samen draußen und sie keimen mit Hilfe der Frühlingssonne. Nachteilig ist, dass die Temperaturen irgendwann nicht mehr tief genug sind. Daher empfehle ich die Stratifikation im Kühlschrank. Hier hat man immer die richtige Temperatur.

Zum Schluss noch das wichtigste: Das Substrat darf nie austrocknen! Das wäre der sichere Tod für den keimenden Samen.

Wie du siehst, gar nicht so schwierig. Und am Ende gibt es wundervolle Keimlinge, die du nach ein paar Wochen pikieren kannst.

Sarracenia purpurea Samen Keimung
Sarracenia purpurea 10 Tage nach Keimung

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