Polarluft (-16°C) und Alltag im Winter

Meine werten Karnivorenfreunde,

ich habe schon lange nicht mehr aus dem Alltag berichtet. Aber im Winter gibt es einfach nicht so viel Neues und langweilen möchte ich euch selbstverständlich nicht.

Daher musste ich erst einmal ein paar Themen sammeln:

Wir hatten einen Polarlufteinfall für ein paar Tage mit -16 Grad in der Nacht, ich erzähle noch ein bisschen über meine Pflanzen, wie sie sich im Winter schlagen und gebe noch ein kleines Pflanzen-Update.

Polarluft in Deutschland

Die letzten Winter in Deutschland waren, zugegeben, sehr mild. Diesen Winter 2020/2021 aber konnten Polarwinde bis nach Süddeutschland gelangen und brachten nächtliche Temperaturen von -16 Grad nach Nürnberg.

Temperatur Nürnberg
Temperaturverlauf in Nürnberg während des Polarlufteinfalls

Und ich stehe da, mit einem Foliengewächshaus, dessen Verkleidung 0,2 mm dick ist. Im Inneren befindet sich zwar noch eine Luftpolsterfolie mit 30 mm Noppen im Durchmesser. Eine Heizung, die auf 750 Watt eingestellt ist, bringt Wärme.

So schaut meine Verteidigung gegen diesen übermächtigen Gegner aus. Ich habe zwar Erfahrungswerte für -9 Grad sammeln können aber bei Temperaturen, die fast in gleicher Höhe noch einmal niedriger ausfallen? Ich denke, da muss ich kapitulieren.

Und so habe ich meine Pflanzen geschnappt, die Elektronik abgebaut und alles in den Keller verfrachtet. Die Pflanzen müssen nun die nächsten vier Tage bei 10 Grad und null Sonneneinstrahlung überstehen. Dann kommen sie wieder zurück ins Gewächshaus, denn es werden mildere Temperaturen angesagt.

Fleischfressende Pflanzen im Keller
Fleischfressende Pflanzen im Keller

Übrigens bin ich mir sicher, dass die Heizung auch -16 Grad packen würde. Jedoch müsste ich den Schalter von 750 auf 1.250 Watt umstellen und die Heizung würde die gesamte Nacht durchlaufen. Tagsüber würde die Heizung maximal die Hälfte der Zeit laufen, da wir Maximaltemperaturen von -6 Grad erreichen. Alles in allem würde ich in den vier bitter kalten Tagen geschätzt 80 kW verballern, 22 EUR! Das muss nicht sein. Daher die Idee mit dem Keller.

Sarracenia rubra ssp. rubra, alabamensis und wherryi habe ich erst vor Kurzem erhalten, teilweise geteilt und eingetopft. Da sie beim Verkäufer stehts draußen kultiviert wurden, haben sie ihre Winterruhe bereits hinter sich. Daher hatte ich keine Bedenken sie umzutopfen und innerhalb der Wohnung unter Kunstlicht zu kultivieren. Hätte ich sie ins Gewächshaus gestellt, würden sie nicht anwachsen. So bekommen die meisten Rhizome Blütenstengel und ich werde sie dann in Zukunft mit Teebeuteln schützen, damit sie nicht fremdbestäubt werden.

Sarracenia rubra wherryi alabamensis Blüte
Sarracenia ssp. rubra, ssp. wherryi & ssp. alabamensis mit Blüte

Kulturbedingungen im Winter

Eine wichtige Erkenntnis konnte ich für den nächsten Winter gewinnen. Alle meine Pflanzen waren seit November bedecktem Himmel, ab und an Sonnenschein und nur 6 Grad Celsius ausgesetzt. Diese Kulturbedingungen sind leider nicht geeignet für Drosera capensis, Drosera aliciae, Drosera venusta, Drosera nidiformis, Drosera spatulata.

Drosera spatulata: zu kalt, zu wenig Sonne

Ich hatte am Anfang mit Schimmel zu kämpfen. Diesen konnte ich eindämmen, als ich das gesamte stehende Wasser aus den Behältern entfernte. Doch der nächste Schimmel kam schon, weil die Pflanzen so sehr geschwächt waren, dass er ein einfaches Ziel hatte.

Meiner Meinung nach, halten diese Südafrikanischen Arten diese Kulturbedingungen maximal einen Monat aus. Danach sollten sie wärmer, bei 10 Grad Minimum und Zusatzbeleuchtung den Winter überdauern. Erst wenn die Temperaturen im Gewächshaus tagsüber 10 Grad betragen, können sie wieder umziehen.

Bei Dionaea und den Sarracenien hingegen sehe ich keine Ermüdungserscheinungen. Sogar Drosera filiformis und Drosera binata dichotoma zeigen erste Regungen und treiben aus.

Drosera filiformis ssp. filiformis
Drosera filiformis ssp. filiformis treibt aus

Dionaea bildet ganz langsam neue Fallen, Schimmelbefall habe ich nur bei abgestorbenen Pflanzenteilen, die ich schnellstmöglich entferne, um dem Schimmel keine Möglichkeit der Verbreitung zu geben.

Die Sarracenien befinden sich noch in ihrer Winterruhe.Vor allem Sarracenia purpurea ssp. purpurea und ssp. venosa sind noch ganz verschlafen und warten auf die ersten warmen Tage. Die anderen Sarracenien regen sich ebenfalls noch nicht, vereinzelt wächst nur ein neuer Schlauch. Wahrscheinlich war es beim Umtopfen bereits zu kalt und sie konnten noch nicht gut anwachsen. Hoffentlich gehen sie mir nicht ein, weil die Wurzeln vergammeln.

Pflanzenupdate

Ich habe auch eine Menge Samen zum Keimen bringen können. Allen voran begann Sarracenia purpurea ssp. purpurea mit dem Keimen. Aber seltsamerweise vertrocknen plötzlich eine Menge Keimlinge, die bereits einen ersten Schlauch bildeten. Ich kann mir das nicht erklären.

Vertrocknete Sarracenia purpurea ssp. purpurea
Vertrocknete Sarracenia purpurea ssp. purpurea

Sarracenia flava ssp. atropurpurea keimt hingegen sehr erfreulich und wächst auch ganz anders als S. purpurea. Nach der Stratifikation tat sich erst einmal lange nichts. Dann keimte der erste Samen, dann der zweite und so weiter. Irgendwie keimen die Samen regelmäßig nacheinander und bislang ist mir hier kein Keimling vertrocknet.

Sarracenia flava var. atropurpurea Keimlinge
Sarracenia flava var. atropurpurea Keimlinge

Allgemein erholen sich alle Pflanzen unter Kunstlicht gut. Die Klebetropfen bilden sich wieder und auch die rote Farbe kommt bei vielen Karnivoren zurück. Sie sehen richtig vital aus. Bislang konnte ich noch keine Unterschiede feststellen, ob eine fleischfressende Pflanze besser unter Rot/Blau-Beleuchtung* oder unter Vollspektrumlicht* gedeiht.

Was steht alles im März an

Noch vor dem März kommen die winterharten Pflanzen selbstverständlich wieder ins Gewächshaus. Es wird immer wärmer und die ersten Pflanzen erwachen auch bereits aus ihrem Hibernakel. Das möchte ich natürlich nicht unterbrechen, indem ich sie im Keller eingesperrt lasse.

Ansonsten gehen die Bestellungen durch die Decke dank Corona. Bedeutet für mich viel Buchhaltung, Ware herstellen, verpacken und versenden. Ich kann mich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

Was mich interessieren würde: Wie haben eure Pflanzen den Winter bislang überstanden? Gibt es Ausfälle? Lief es besser als erwartet?

Schöne Grüße

Michael


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